Vortragsprogramm für das Jahr 2014


27. Januar

18 Uhr: Bernhard Heeb, Berlin

Cornești-Iarcuri - zu den Forschungen an der größten prähistorischen Befestigungsanlage Europas im rumänischen Banat

Im rumänischen Banat, unweit der ungarischen und serbischen Grenze, liegt die spätbronzezeitliche Befestigungsanlage Cornesti-Iarcuri. Die vier Verteidigungswälle umfassen eine Gesamtfläche von über 1700 ha. Damit ist es das größte bekannte prähistorische Bodendenkmal Europas. Seit 2007 führen das Muzeul Banatului Timisoara, das Museum für Vor- und Frühgeschichte zu Berlin, die Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main und die University of Exeter Forschungen an dieser Siedlung durch. Seit Sommer 2013 wird das Projekt durch die DFG gefördert. In jedem Jahr kommen neue faszinierende Ergebnisse zu Tage, doch stehen die Forschungen bei einer Anlage dieser Größe selbst nach 7 Jahren noch am Anfang. Der Vortrag wird Einblick in die aktuellen Forschungsergebnisse geben.

24. Februar

18 Uhr: Nils Seethaler, Berlin

Hans Nevermann und seine Bedeutung für die Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte

Der Ethnologe Hans Nevermann (1902-1982) war wesentlich an der Wiederbelebung der BGAEU nach dem Zweiten Weltkrieg beteiligt. Der Vortrag setzt sich mit Nevermann als Museumsmitarbeiter, Forscher, Romanschriftsteller, Reisender und Sammler auseinander und gibt gleichzeitig Einblicke in die Geschichte der BGAEU und der in ihr vertretenenen Wissenschaften in der Zeit zwischen den Weltkriegen.

10. März

17 Uhr: Mitgliederversammlung

Tagesordnung:
Rechenschaftsbericht des Vorsitzenden
Wahl des neuen Vorstands
Kassenbericht für das Jahr 2013
Bericht der Rechnungsprüfer
Aussprache zu den Berichten
Entlastung des Vorstands und der Schatzmeisterin
Planung einer Exkursion
Verschiedenes

Anschließend finden in einer öffentlichen Sitzung ab 18 Uhr die Kurzvorträge der Preisträger des Rudolf-Virchow-Förderpreises statt:

Maria Elettra Griesi, Berlin
Leben in der Vertikale: Gegenseitige Beeinflussung von Raum und sozialen Praktiken am Beispiel der Plattenbauten von Pinar del Rio (Kuba)

Eva-Maria Mihan, Berlin
Die keramischen Kleinfunde des Spätneolithikums aus dem Tell Uivar (Rumänien)

07. April

18 Uhr: Berhane Asfaw, Addis Abeba

Gemeinsam mit Topoi lädt die BGAEU am Montag, dem 7. April um 18.00 in den Hörsaal des Topoi-Hauses, Hittorfstr. 18 in Dahlem zur
ORDENTLICHEN SITZUNG
Berhane Asfaw

Seit den 1970er Jahren stellt die Afar Region in Äthiopien eine wichtige Adresse für paläoanthropologische Forschungen dar. Die frühesten Funde aufrecht gehender Hominiden aus dieser Region gehen auf bis zu 5,8 Millionen Jahre zurück. Mit unterschiedlichen Fragestellungen sind gegenwärtig sechs wissenschaftliche Projekte in dieser Region aktiv, von denen das Middle Awash project vorgestellt wird. Dabei stehen die reichhaltigen paläoanthropologischen Ergebnisse und die ihnen zu Grunde liegen Forschungsmethoden im Vordergrund.

Der Vortrag wird in englischer Sprache gehalten.

12. Mai

18 Uhr: Wolfgang Kaschuba, Berlin

Urbane Stämme? Perspektiven einer Europäischen Ethnologie in Berlin

"Stadtethnologie" ist in den letzten Jahren nicht nur in Berlin zu einem überaus spannenden und ertragreichen Forschungsfeld geworden, in dem ethnologische Blicke und Methoden den bisherigen sozial- und planungswissenschaftlichen Zugängen zur Stadt neue Perspektiven hinzufügen konnten. Neue Verständnisse etwa von Stadtlandschaften und Stadtkulturen, von Akteuren und Medien, von Symbolen und Translationen, von prozesshaften und situativen Beobachtungen sind jedenfalls unter nachdrücklicher Beteiligung kulturwissenschaftlich-ethnologischer Forschungen entstanden.
Diese Entwicklung sollen einerseits einige Beispiele und Überlegungen aus aktuellen wie eigenen Forschungen illustrieren und verdeutlichen. Andererseits bietet sich die "Stadtethnologie" jedoch auch als ein vorzügliches Beispiel dafür an, wie grundsätzlicher über Paradigmenwechsel und Perspektivverschiebungen in der Ethnologie nachzudenken wäre.

23. Juni

18 Uhr: Norbert Goßler / Christoph Jahn, Berlin

Archäologisches Zentrum, Geschwister-Scholl-Str. 6, 10117 Berlin in den Brugsch-Pascha-Saal (4. OG)

Zwischen Wikingern und Ordensrittern - aktuelle Forschungen zu frühmittelalterlichen Grabfunden aus Ostpreußen am Museum für Vor- und Frühgeschichte Berlin

Das Gebiet des ehemaligen Ostpreußens ist eine der fundreichsten archäologischen Landschaften Mitteleuropas. Das Prussia-Museum in Königsberg beherbergte seit dem 19. Jahrhundert eine archäologische Sammlung von europäischem Rang. Seine historisch einzigartigen Bestände mit Zeugnissen aus allen aller Epochen der ostpreußischen Geschichte aus dem Gebiet zwischen der Weichsel im Westen und der Memel im Nordosten wurden am Ende des Zweiten Weltkriegs auseinander gerissen und gingen teilweise verloren.
Erst seit wenigen Jahren ist die Archäologie Ostpreußens wieder verstärkt zum Gegenstand der internationalen Forschung geworden. Das Museum für Vor- und Frühgeschichte Berlin beherbergt einen großen Teil der erhaltenen archäologischen Bestände des ehem. Prussia-Museums. Mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) werden hier die mittelalterlichen Kulturverhältnisse in Ostpreußen im Spannungsfeld zwischen Skandinaviern, Slawen und den baltischen Nachbarn beleuchtet. Anhand der erhaltenen archäologischen Objekte und Archivalien lässt sich die Entwicklung der Sachkultur der einheimischen Prussen von der wikingischen Expansion bis in die Ordenszeit nachzeichnen.

22. Juli
Dienstag

18 Uhr: Burkhard Vogt, Berlin

Palmen, Wasser und die Archäologie des Tabus - die Forschungen des Deutschen Archäologischen Instituts auf der Osterinsel

Die Osterinsel gilt landläufig als Sinnbild umfassender Umweltzerstörung durch den Menschen. So ist die einst flächendeckende Palmenbewaldung durch Abholzung gänzlich verschwunden und hat einer steppenähnlichen Vegetation Platz gemacht. Dass tatsächlich, wenn letztendlich auch erfolglose Versuche eines Gegensteuerns durch Tabu-Regelungen und Anpflanzungen gemacht wurden und die Entwicklung vielleicht doch ganz anders verlaufen ist, legt nun eine Grabung des Deutschen Archäologischen Instituts in einem neu entdeckten Wasser- und Fruchtbarkeitsheiligtum im Zentrum der Osterinsel nahe.

30. Oktober
Donnerstag

18 Uhr: Uwe Makino, Tokyo

Brugsch-Pascha-Saal, Geschwister-Scholl-Str. 2-8. 10117 Berlin-Mitte

Woher kommen die Ainu? - Zur Anthropologie, Ethnologie und Geschichte der japanischen Ureinwohner

Uwe Makino greift mit seinem Vortrag zum Ursprung der Ainu Fragen auf, die zwischen 1871 und 1906 auch in der BGAEU diskutiert wurden. Was aber weiß man heute über die Besiedlungsgeschichte der japanischen Inseln? Wer sind die Ainu in genetischer und kultureller Hinsicht? Woher kommen Schamanismus und Bärenfest, welche Beziehung haben die Ureinwohner zu den japanischen Bandkeramikern? Im kommenden Jahr wird Uwe Makino ein Buch publizieren, dessen Hauptkapitel dem Grabraub gewidmet ist. Um Ainu-Gebeine und Grabbeigaben wird in Japan noch heute gestritten.

4. November
Dienstag

18 Uhr: Nils Seethaler, Berlin

Die Sammlung von Julius-Riemer in Wittenberg - Entstehung, Magazinierung, Neukonzeption

Der Fabrikant Julius Riemer (1880-1958), Mitglied der BGAEU, galt als einer der erfolgreichsten Sammler zoologischer und ethnologischer Objekte seiner Zeit. Er war gleichzeitig ein großzügiger Förderer wissenschaftlicher Forschungen. Vor dem Zweiten Weltkrieg floh er mit seiner Sammlung aus Berlin nach Wittenberg, wo ihm von der Stadt Räume im Schloss zur Einrichtung eines privaten Museums zur Verfügung gestellt wurden. Riemers Witwe, die auch nach der Teilung Deutschlands Kontakte zur BGAEU pflegte, leitete das Museum bis zu ihren Tod 2002. Danach ging es in den Besitz der Stadt über. Seit 2011 ist die Sammlung aufgrund von Umbauarbeiten magaziniert. In den nächsten Jahren ist jedoch eine Neueröffnung im Zeughaus der Stadt geplant. Die Entstehung der Sammlung, ihr Weg nach Wittenberg, ihr Verbleib und ihre künftige Neupräsentation sollen Gegenstand des Vortrags sein.

7.-8. November

Forum Anthropologie:

Quo vadis Anthropologia?
Leistungen und Perspektiven der deutschen Anthropologie in Wissenschaft und Gesellschaft

Ort: Ethnologisches Museum, Lansstraße 8, 14195 Berlin

Programm (Stand 27.10.2014) 

17. November
(Montag)

16 Uhr:
KURATORENFÜHRUNG
durch die Ausstellung:
Die Wikinger

Marin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstraße 7, 10963 Berlin
Anmeldung in der Geschäftsstelle der BGAEU erbeten!