Vortragsprogramm für das Jahr 2013


14. Januar

18 Uhr: Mai-Lin Tjoa-Bonatz, Berlin

Auf archäologischer Spurensuche im Goldland der Minangkabau, Sumatra (Indonesien)

Ādityavarman (1343-1375) verlegt seinen Regierungssitz in das Gebiet der Minangkabau, das vornehmlich durch sein reiches Goldvorkommen bekannt geworden ist. Das 14. Jahrhundert bildet den chronologischen Ausgangspunkt für ein archäologisches Projekt der Freien Universität Berlin, das sich seit 2010 sowohl um die Erschließung der materiellen Hinterlassenschaften dieser Hochlandregion als auch um die Rekonstruktion regionaler Siedlungsprozesse und Handelsbeziehungen bemüht. Neue Grabungsergebnisse und Funde werden vorgestellt.

18. Februar

18 Uhr: Jörg Orschiedt, Hamburg

Die Blätterhöhle in Hagen (Nordrhein-Westfalen). Eine mesolithische und neolithische Fundstelle mit Menschenresten

Die Blätterhöhle in Hagen wurde während einer speläologischen Untersuchung im Jahre 2004 neu entdeckt. Seit dem Jahre 2006 konnten während der regelmäßig durchgeführten archäologischen Untersuchungen weitere menschliche Reste, Tierknochen und Steinartefakte, gefunden werden. Die Radiokarbon-Datierungen belegen Skelettreste von mehreren frühmesolithischen und jung- bis spätneolithischen Individuen, die im Inneren der Höhle deponiert wurden sowie eine mesolithische Schichtenfolge mit Feuerstellen auf dem Vorplatz.

4. März

17 Uhr: Mitgliederversammlung

Tagesordnung:
Rechenschaftsbericht des Vorsitzenden
Kassenbericht für das Jahr 2012
Bericht der Rechnungsprüfer
Aussprache zu den Berichten
Entlastung des Vorstands und der Schatzmeisterin
Planung einer Exkursion
Verschiedenes

Anschließend finden in einer öffentlichen Sitzung ab 18 Uhr die Kurzvorträge der Preisträger des Rudolf-Virchow-Förderpreises statt:

Alexander Möser, Berlin
Der zentrale Balkanraum am Übergang vom späten Neolithikum zur frühen Kupferzeit - Studien zur regionalen Gliederung des Fundstoffes

Tobias Mörtz, Berlin
Spätbronzezeitliche Waffendeponierungen Großbritanniens

Torben Schatte, München
Lanzenspitzen aus Knochen und Geweih in der vorrömischen Eisenzeit und der Kaiserzeit

8. April

18 Uhr: Olga U. Gabelmann, Berlin

Mobilität und Transport in den Anden - Eine Analogie zwischen heutigen Lamakarawanen und vorgeschichtlichen Handelssystemen in Bolivien

In den zerklüfteten Andengebieten Boliviens zirkulieren aufgrund der fehlenden Infrastruktur immer noch Lamakarawanen zum Transport und Erhalt von Gütern aus anderen ökologischen Regionen. Ethnographische Daten können im Analogieschluss zur Untersuchung prähistorischer Handels- und Kommunikationssysteme herangezogen werden, da sich die Tradition der Lamakarawanen ohne Unterbrechung über viele Jahrhunderte erhalten hat. Die Begleitung der Karawane lieferte zudem Informationen zur Existenz prähistorischer Handelsrouten vom südlichen Hochland des Poopó-Sees bis in die östlichen Andentäler von Sucre.

13. Mai

18 Uhr: Heidemarie Eilbracht, Berlin

Archäologie in Ostpreußen - Forschungen in einer beinahe vergessenen Region

Das ehemalige Ostpreußen, bildete seit dem 19. Jahrhundert zusammen mit seinen baltischen Nachbargebieten in archäologischer Hinsicht eine einzigartige Forschungsregion. Tausende von Fundstellen von der Steinzeit bis in die Zeit des Deutschen Ordens belegen eine intensive Siedlungstätigkeit. Die lange und fruchtbare Tradition der vorkriegszeitlichen Archäologie brach mit den Ereignissen des Zweiten Weltkriegs und seinen Folgen aber fast völlig ab. Erst durch die Wiederentdeckung großer Teile der so genannten Königsberger Prussia-Sammlung im heutigen Kaliningrad, in Polen und zuletzt in Berlin steht seit den 1990er Jahren ein lange Zeit verloren geglaubtes Datenarchiv wieder zur Verfügung. Der Vortrag präsentiert ein 2012 begonnenes Vorhaben der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur, das in Berlin (am MVF) und Schleswig (am ZBSA) beheimatet ist und - im Rahmen internationaler Kooperationen - die Rekonstruktion und Neubewertung der archäologischen Forschung im ehemaligen Ostpreußen zum Ziel hat.

17. Juni

18 Uhr: Hansjörg Dilger, Berlin

Epidemien als globale Ereignisse: das Beispiel HIV/AIDS in Ostafrika

Epidemien sind globale Ereignisse. Insbesondere die mediale Rezeption epidemischer Krankheiten - sowie gesundheitspolitische Interventionen - spannen oft ein transnationales Netzwerk des Intervenierens sowie der Bedeutungszuschreibung auf und sind damit konstitutiv für Handlungsstrategien von der globalen bis hin zur lokalen und individuellen Ebene. In diesem Vortrag zeige ich, wie HIV/AIDS in Ostafrika in den letzten Dekaden zu einem globalen Ereignis geworden ist, das - einhergehend mit international initiierten Strukturprogrammen in den 1980er und 1990er Jahren - in besonderer Weise zur Entstehung globaler Konfigurationen (auf institutioneller ebenso wie auf der Handlungs- und Erfahrungsebene) geführt hat. Gesundheitspolitische Antworten auf HIV/AIDS sind dabei auf die Vermittlung spezifischer Vorstellungen von Krankheit, Körper und des individualisierten Selbst ausgerichtet. Am Beispiel meiner Feldforschungen im urbanen und ländlichen Tansania wird deutlich, dass die durch Präventions- und Behandlungsprogramme transportierten Bedeutungen nur partiell mit den Lebens- und Erfahrungswelten ihrer Zielgruppen korrelieren und dass der lokale Umgang mit HIV/AIDS durch eine "moralische Praxis" geprägt wird: Diese trägt sowohl dem Wert sozial-familiärer Beziehungen als auch dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit in einer globalisierenden Welt Rechnung.

22. Juli

18 Uhr: Markus Schindlbeck, Berlin

Ethnographische Objekte in Museen: Ein Zustandsbericht zum Humboldt-Forum und ein Vergleich mit rezenten Ausstellungen

Das ethnographische Objekt steht weiterhin im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit von Sammlungen und Museen, doch seine Zugänglichkeit, Interpretation, Bewertung und Inszenierung stehen mehr denn je in Frage. Mehr als früher werden ethnographische Gegenstände herangezogen, um bestimmte Aussagen zu hinterlegen, zu belegen oder auch nur zu illustrieren, ohne dass ein erkennbarer inhaltlicher Zusammenhang besteht. Die leider häufig anzutreffenden Lücken in der Dokumentation zu den Objekten erleichtern ihre zunehmende Herauslösung aus bisher noch angenommenen musealen Kontexten. Anhand der Fortschreibung in den Planungen für das Humboldt-Forum und im Vergleich mit anderen rezenten Ausstellungen soll diesen Entwicklungen nachgegangen werden.

28. Oktober

18 Uhr: Gerhard Hotz, Basel

Theo der Pfeifenraucher - ein historisch-anthropologischer Kriminalfall

In einem kleinen Friedhof wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Basel ein Pfeifenraucher beigesetzt. 200 Jahre später wurde das Grab durch Basler Archäologen freigelegt, und ein großes Team von Wissenschaftlern und Laienhistorikern versuchte in minutiöser Kleinstarbeit, die historische Identität des namenlosen Pfeifenrauchers zu entschlüsseln. Die historisch-anthropologische Spurensuche führte über Gräberverzeichnisse, Mordakten und Auswanderungslisten zu immer tieferen Einsichten in den kaum bekannten Alltag eines Normalsterblichen im 19. Jahrhundert. Mit Hilfe von DNA-Analysen und Familienforschern konnte der Personenkreis um Theo eingegrenzt.

25. November

18 Uhr: Nikolaus Boroffka, Berlin

Gonur-Depe. Eine bronzezeitliche Königsstadt in Mittelasien

Die Stadtanlage von Gonur-Depe liegt in der historischen Landschaft Margiana, heute in der Karakum-Wüste, Turkmenistan. Sie wird seit vielen Jahren unter der Leitung von V. I. Sarianidi ausgegraben, seit 2010 unter Beteiligung der Eurasien-Abteilung des DAI. Es handelt sich um eine der größten Siedlungsgrabungen Mittelasiens, zu der auch ein umfangreiches Gräberfeld gehört, sowie einige Königsgräber innerhalb der Stadtmauer.
Die Siedlung begann im späten 3. Jt. v. Chr. und wurde in der 1. Hälfte des 2. Jt. v. Chr. verlassen, vermutlich wegen Wassermangel. Landwirtschaft konnte nur mit künstlicher Bewässerung praktiziert werden. Die Stadt enthält einen zentralen befestigten Palast/Tempel, und war von zwei weiteren Mauerringen umgeben. Die Architektur aus ungebrannten Lehmziegeln besteht aus zahlreichen rechteckigen Gebäuden, umfasst aber auch Wasserleitungen aus gebrannten Tonröhren.
Besonders die Königsgräber lieferten, trotz antiker Beraubung, spektakuläre Gold- und Silberfunde sowie Importgüter aus Pakistan, Mesopotamien und dem Steppengebiet.

9. Dezember

18 Uhr: Albert Zink, Bozen

Von Ötzi bis Tutanchamun Einblicke in die moderne Mumienforschung

Am 19. September 1991 wurde die weltbekannte Gletschermumie, Ötzi, in den Ötztaler Alpen, an der Grenze zwischen Italien und Österreich, entdeckt. Seitdem gewährt uns der Mann aus dem Eis einen tiefen Einblick in die Lebensumstände einer bis dahin wenig erforschten Bevölkerung, die vor über 5000 Jahren im alpinen Raum heimisch war. Durch die Verwendung modernster medizinischer und naturwissenschaftlicher Untersuchungen ist es gelungen, zahllose Details zu seinem Leben, aber vor allem auch zu seinen Krankheiten und zu seinem gewaltsamen Tod am Hauslabjoch zu erforschen. Des Weiteren gelang es mit Hilfe der modernen Mumienforschun,g wichtige Einblicke in das Leben und die Todesumstände anderer berühmter historischer Persönlichkeiten, wie den ägyptischen Königen Tutanchamun und Ramses III, zu erhalten. Die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Mann aus dem Eis und der altägyptischen Könige werden dabei vorgestellt.