Vortragsprogramm für das Jahr 2012


16. Januar

18 Uhr: Michael Dieckhardt, Göttingen

Die mit den Geistern tanzen. Maskentänze, Identität und Moral unter den Qaqet-Baining (Gazellehalbinsel, Neubritannien, Papua-Neuguinea)

6. Februar

17 Uhr: Mitgliederversammlung

im Anschluß (ab 18 Uhr):
Öffentliche Verleihung des Rudolf-Virchow-Förderpreises mit Kurzvorträgen der Preisträger

Alisa Scheibner, Berlin
Der Hund in der vorrömischen Eisenzeit in Mitteleuropa

Judith Schühle, Berlin
Medizinmorde an Menschen mit Albinismus in Tansania [Medicine Murder in Tanzania. An Inquiry into the Beliefs of the Wealth-Bringing Potency of the Bones of People with Albinims.]

Lisa Seifert, München
Molekulargenetische Applikationen in der Paläoepidemiologie am Beispiel Tuberkulose

5. März

16:45 Uhr: Joachim Gierlichs (Kurator)

Führung durch die Ausstellung:
Roads of Arabia

Treffpunkt: Haupthalle Pergamonmuseum

12. März

18 Uhr: Joachim Görlich, Halle

Wa(h)re Kultur - das "Kalam-Kulturfestival" im Hochland von Papua-Neuguinea

Die heute von den Kalam im nördlichen Hochland von Papua-Neuguinea durchgeführten Initiationsrituale ähneln in vielen Hinsichten noch denjenigen vor etwa einem halben Jahrhundert, als die Kalam durch die Kolonialadministration kontaktiert wurden. Eine der Lokalgruppen hat seit 2005 damit begonnen dieses Ritual innerhalb eines radikal veränderten sozialen Kontextes als Kulturfestival zu praktizieren. Sie führt es bei einem von ihr gegründeten Gästehauses und Kulturmuseum durch und wirbt mithilfe eines Touristikunternehmens weltweit für den Besuch.

19. März
leider kurzfristig abgesagt!

18 Uhr: Roland Platz, Berlin

Führung durch die Ausstellung:
Mythos Goldenes Dreieck - Bergvölker in Südostasien

Treffpunkt: Diensteingang des Museums in der Fabeckstr. 20

16. April

18 Uhr: Carsten Niemitz, Berlin

Aktuelle Ergebnisse der humanbiologischen Forschung: Evolution und Sensorik

Über die Ergebnisse zweier Untersuchungen der Arbeitsgruppe Humanbiologie soll hier berichtet werden: Studie 1:Wie gut können Männer und Frauen das eigene und das andere Geschlecht an einer Person erkennen? Studie 2: Stimmt es wirklich, dass lange Beine als schön beziehungsweise als attraktiv wahrgenommen werden?

Samstag, 5. Mai

12:15 Uhr: Bettina Jungklaus, Berlin

Besichtigung der Sonderausstellung:
"1636 - Ihre letzte Schlacht"

Treffpunkt: Samstag, 5. Mai um 12:15 Uhr vor dem Museumsgebäude, dem St. Paulikloster in Brandenburg an d. Havel.

Teilnahme bitte bis Ende April in der Geschäftstelle anmelden.
Die Reise nach Brandenburg müssten Sie selber organisieren. Vom Hauptbahnhof mit Halt in Zoo und Charlottenburg geht um 10:55 der Regionalexpress ab, er kommt um 11:56 in Brandenburg an. Vom Bahnhof zum Paulikloster laufen Sie ca. 8 Minuten. Nach Überqueren des Stadtrings gehen Sie links an den Straßenbahnhaltestellen vorbei. Folgen Sie der Beschilderung "Neustadt" und "Paulikloster", diese führt Sie in die "Kleine Gartenstraße" und an deren Ende rechts in die "Kirchhofstraße". Nach etwa 100m biegt ein Fußweg zur Paulibrücke ab. Gehen Sie durch den Skulpturengarten rechts um das Paulikloster herum, der Eingang befindet sich auf der Ostseite. Die Eintrittskosten im Museum betragen pro Person 3 €.

21. Mai

18 Uhr: Svend Hansen, Berlin

Pietrele. Eine kupferzeitliche Siedlung des 5. Jt. v. Chr. an der Unteren Donau

Der Siedlungshügel Măgura Gorgana bei Pietrele in der südrumänischen Walachei war in der zweiten Hälfte des 5. Jahrtausends v. Chr. eine imposante Erscheinung. Er lag weithin sichtbar über der ausgedehnten, bis zu 8 km breiten Donauaue. Auf dem neun Meter hohen Hügel standen mehrere Reihen großer, teilweise zweigeschossiger Häuser. Die seit 2004 stattfindenden Ausgrabungen haben zeigen können, dass um den Siedlungshügel zahlreiche weitere Häuser existierten und die Siedlung damit wesentlich größer war als man bisher annahm. Die Existenz von großen Zentralsiedlungen scheint ein Element der sozialen Ungleichheiten zu sein, die um die Mitte des 5. Jahrtausends v. Chr. auch in Friedhöfen mit unterschiedlich reich ausgestatteten Gräbern in Südosteuropa sichtbar werden.

18. Juni

18 Uhr: Marco Goldhausen, Minden

Zwischen Valdivia und Chinchorro. Ursprung und Entwicklung der ältesten Zivilisation der Neuen Welt

An der nordzentralen Küste von Peru blühte im 3. Jt. v. Chr. Amerikas erste Hochkultur. In Polvareda nördlich von Lima ist es gelungen, erstmalig reiche Kinderbestattungen aus der Anfangszeit dieser Epoche auszugraben. Dabei ließ die Beigabe von exotischem Muschelschmuck aus Ekuador und Chile die besondere Rolle erkennen, die offenbar die Ferntauschbeziehungen entlang der Pazifikküste zur Valdivia- und zur Chinchorro-Kultur bei der Herausbildung der ersten amerikanischen Zivilisation spielten.

9. Juli

18 Uhr: Katrin Koel-Abt / Niels Seethaler, Berlin

Das Charité Human Remains Projekt - interdisziplinäre Forschungen und Restitution menschlicher Überreste

Thema ist das Human Remains Project der Charité und der Wandel von Fragestellungen in Ethnologie und Anthropologie. Gleichzeitig wird anhand von Fallbeispielen ein Einblick in die Methoden der Paläopathologie gegeben und die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit naturwissenschaftlicher und geisteswissenschaftlicher Disziplinen im Zusammenhang mit Provenienzforschungen an Human Remains umrissen.

Samstag, 18. August

15 Uhr: Michael Meyer (Direktor des Exzellenzclusters Topoi der Freien Universität)

Führung durch die Ausstellung:
Jenseits des Horizonts. Raum und Wissen in den Kulturen der Alten Welt

Treffpunkt: Haupthalle Pergamonmuseum
Für Mitglieder der BGAEU (Bitte jeweils pünktlich erscheinen, auf Nachzügler kann aus technischen Gründen nicht gewartet werden)

24. September

18 Uhr: Hannah Lesshafft, Edinburgh
Trägerin des Rudolf-Virchow-Sonderpreises 2012

Soziale Exklusion als Krankheitsfolge. Stigma und Alltag in einer ehemaligen Leprakolonie in Nordost-Brasilien

Lepra - oder "Aussatz" - ist eine Krankheit, die geradezu sinnbildlich für soziale Ausgrenzung steht. In dem Vortrag wird die Lebensrealität der Bewohnerschaft einer ehemaligen Leprakolonie in Brasilien vorgestellt. Anhand qualitativer und quantitativer Daten wird gezeigt, dass Stigmatisierung und Exklusion trotz erfolgreicher Antibiotikatherapie noch immer präsent sind.

22. Oktober

18 Uhr: Eric Anton Heuser, Berlin

Haben Javaner Freunde?

In der Freundschaftsforschung dominieren bisher vorrangig auf Europa und den nordamerikanischen Raum bezogene Arbeiten. Nicht-westliche Freundschaftsformen hingegen wurden marginalisiert, wobei die Ethnologie mit ihrem Fokus auf Kinship und Verwandtschaft einen nicht unerheblichen Anteil hieran hat. Der Vortrag rückt javanische Vorstellungen und Freundschaftsformen in den Mittelpunkt: Wie praktizieren, wie (er)leben Menschen auf Java Freundschaften? Welche Position hat Freundschaft im lokalen Kosmos anderer sozialer Beziehungen? Ist sie im Alltagsleben relevant? Der Vortrag geht diesen Fragen nach und führt in die hiermit verbundenen javanischen Vorstellungen von Moral und Sozialität ein. Ethnographische Fallbeispiele illustrieren hierbei den sozialkulturellen Wandel, der sich in der javanischen Gesellschaft ablesen lässt.

26. November

18 Uhr: Anita von Poser, Berlin

Vorstellungen vom Alter(n) - Zur Lebenssituation älterer Menschen in Papua-Neuguinea

Thema des Vortrags sind Vorstellungen vom Alter(n) bei den im Nordosten von Papua-Neuguinea beheimateten Bosmun. Im Zentrum steht die Frage, inwieweit sich lokale Konzepte gegenwärtig durch Einflüsse von außen ändern und welche Probleme sich daraus für das Verhältnis zwischen den Generationen ergeben. In den letzten 50 Jahren gab es einen immensen Bevölkerungsanstieg, so dass ein altersmäßiges Übergewicht an jüngeren Menschen entstanden ist. Zudem vollzieht sich heute der Transfer von Wissen zunehmend in umgekehrter Reihenfolge. Waren es einst die älteren Angehörigen der Gesellschaft, die für die Erziehung der jüngeren verantwortlich waren, so sind es heute vermehrt die Jüngeren. Denn sie vermitteln ‚modernes' Wissen, dass von außen an sie und nicht an ‚die Alten' herangetragen wird. Politische Strukturen, die der Nationalstaat Papua-Neuguinea auf dörflicher Ebene zu implementieren versucht sowie ein westlich-basiertes Schul- und Medizinsystem scheinen Gründe dafür zu sein, weshalb der soziale Status der Älteren kontinuierlich abnimmt und sich Konstruktionen des Selbst verändern.

Donnerstag, 6. Dezember

17 Uhr: Führen werden uns die Kuratoren der Ausstellung

Führung durch die Ausstellung:
Russen und Deutsche. 1000 Jahre Kunst, Geschichte und Kultur

Treffpunkt: Vor dem Haupteingang des Neuen Museums
Die Teilnahme ist kostenlos, Anmeldung zur Teilnahme in der Geschäftsstelle
(Bitte pünktlich erscheinen, auf Nachzügler kann aus technischen Gründen nicht gewartet werden)

10. Dezember

18 Uhr: Barbara Teßmann, Berlin

Tieropfer im spätmittelalterlichen Gröditsch?

Das 1004 erstmalig erwähnte Gröditsch gehört so zu den ältesten namentlich genannten Dörfern in der Lausitz. Ausgrabungen anlässlich von Straßenbauarbeiten ergaben eine spätmittelalterliche Bebauung mit West-Ost ausgerichteten Häusern, mehrere Brunnen und radial darum angelegte Tierbestattungen. Ihre mögliche Bedeutung als Tieropfer wird diskutiert. Noch ältere Gruben und Pfostenlöcher weisen zudem auf eine vorgeschichtliche Besiedlung des Platzes hin.

Der Vortrag
Bettina Jungklaus, Berlin: Vom Wert anthropologischer Sammlungen für die naturwissenschaftliche Forschung
ist aufgrund der Erkrankung der Vortragenden leider ausgefallen.