Veranstaltungsort
Institut für Prähistorische Archäologie der FU Berlin (Holzlaube), Raum 2.2059, Fabeckstr. 23-25 (14195 Berlin).
Die Treffen finden traditionell i.d. Regel montags statt.


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Unter folgendem Link erhalten Sie eine Übersicht zu den letztjährigen Exkursionen.


Vortragsprogramm für das Jahr 2019

25. März

18 Uhr: Uwe Hoßfeld, Jena
Raum 0.2052 Bitte beachten Sie die geänderte Raumnummer (EG neben den Aufzügen).

Ernst Haeckel – Der Gegenpapst aus Jena: zwischen Wissenschaft und Religion

Der Jenaer Zoologe Ernst Haeckel (1834-1919) zählt zu den bekanntesten, zugleich aber auch umstrittensten Naturforschern des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Als einer der frühesten Anhänger und streitbarsten Verfechter der Darwinschen Evolutionstheorie – neben „Darwins Bulldogge“ Thomas Henry Huxley“ – stellt er eine Zentralfigur in der Frühgeschichte des Darwinismus dar. Doch sein Name steht nicht nur als Symbol für die Auseinandersetzungen um den Entwicklungsgedanken und dessen Popularisierung in dieser Zeit, sondern auch für ein aktives Eintreten für den von ihm formulierten und postulierten Monismus. Die enge und stete Verknüpfung von Wissenschaft, Weltanschauung, Religion und Künstlertum gaben und geben seinem Wirken ebenso ein charakteristisches Gepräge, boten zugleich aber auch Möglichkeiten für kontroverse Interpretationen, Angriffe und politisch-ideologische Vereinnahmungen unterschiedlichster Art. Seine materialistischen, lamarckistischen, rassenhygienischen und monistischen Auffassungen führten im 19. und besonders 20. Jahrhundert bei einer Reihe von Politikern und Wissenschaftlern in verschiedenen gesellschaftlichen Systemen dazu, diese in ihrem Sinne zu interpretieren. Würdigungen wie „Deutscher Darwin“, „Luther gleich“ stehen neben Diffamierungen als „Agent des Satans“, „Pestilenz von Jena“, „Affenprofessor“ oder „Fälscher“. Haeckel zählt neben Fritz Müller zu den Ersten, die das „Biogenetische Grundgesetz“ formulierten, noch heute in der biologischen Terminologie verwendete Begriffe wie Ontogenie, Phylogenie, Ökologie, Chorologie und Stamm gehen auf ihn zurück.
Der Vortrag wird dieses Themenfeld – anlässlich des 100. Todestages von Haeckel – vorwiegend thematisieren.



 

Bereits gehaltene Vorträge 2019

28. Januar

18 Uhr: Julia Gresky, Berlin
Raum 0.2052 Bitte beachten Sie die geänderte Raumnummer (EG neben den Aufzügen).

Überraschende Entdeckungen – Anthropologische Forschungen in der Archäologie

Anthropologische Untersuchungen tragen schon lange wichtige Informationen zur archäologischen Forschung bei. Als direkte archäologische Quelle zeigt das menschliche Skelett, was die Menschen erlitten haben und unter welchen Bedingungen sie lebten.
So fallen bei Untersuchungen menschlicher Knochen Veränderungen auf, die auf Unfällen oder Kampfhandlungen zurückzuführen sind, die Modewellen wie die Schädeldeformation belegen, oder die Rückschlüsse auf die Ernährung anhand des Zahnstatus zulassen.
Neben diesen regelmäßigen Befunden gibt es aber auch immer wieder unerwartete Entdeckungen während der anthropologischen Arbeit, die das Thema dieses Vortrags sind:
So wurde bei einer Routineuntersuchung zur Altersbestimmung der bisher älteste bekannte Fall einer Marmorknochenerkrankung gefunden. Es handelt sich hierbei um eine sehr seltene genetisch bedingte Erkrankung, die zu einer massiven Gewichtszunahme der Knochen führt. Die Knochen stammen aus einer steinzeitlichen Großsiedlung aus Albanien und belegen, dass es seltene genetische Erkrankungen schon seit langer Zeit gibt, zeigen aber auch die Fürsorge, die der Erkrankte vor ca. 6000 Jahren in seiner Gruppe erfahren hat.
Medizinische Eingriffe wie die Trepanation, eine operative Schädeleröffnung, wurden seit dem Mesolithikum in vielen Bereichen der Welt durchgeführt. Im Nordkaukasus in der Bronzezeit auf eine besondere Art und Weise, die auf rituelle Ursachen der Operation schließen lässt.
Eine hohe Kindersterblichkeit wird häufig in großen Siedlungen mit schlechten hygienischen Verhältnissen beobachtet. Aber auch weitere Faktoren wie z.B. Mangelernährung spielen eine Rolle. In der steinzeitlichen Siedlung Shir in Syrien ist die Kindersterblichkeit trotz der günstigen Lage der Siedlung in Flussnähe in einer sehr fruchtbaren Landschaft besonders hoch. Welche weiteren Ursachen kann die hohe Kindersterblichkeit gehabt haben? Einen möglichen Hinweis liefern die archäobotanischen Untersuchungen.

25. Februar

18 Uhr: Han F. Vermeulen, Halle (Saale)
Raum 0.2052 Bitte beachten Sie die geänderte Raumnummer (EG neben den Aufzügen).

Ethnographie, Ethnologie und Anthropologie im 18. und 19. Jahrhundert

Die Geschichte der Ethnologie beginnt für viele erst ab 1860 mit Adolf Bastian in Deutschland und E.B. Tylor in England oder ab 1887 mit Franz Boas in den USA. So kann man es in den Lehrbüchern lesen: Die Wurzeln der Ethnologie liegen im 19. Jahrhundert; in Deutschland fängt die Ethnologie mit Bastian an. Ähnlich wird die Genese der Anthropologie oft mit dem Wirken von Rudolf Virchow in Berlin verbunden. Meine Recherchen haben jedoch ergeben, dass beide Disziplinen bereits im 18. Jahrhundert entstanden sind, und zwar als parallele Entwicklungen in unterschiedlichen Wissensbereichen. Im Vortrag werde ich hierauf Bezug nehmen und zeigen, dass die Ethnographie 1732-1747 im Rahmen der Erforschung Sibiriens von dem Historiker G.F. Müller als eine beschreibende und vergleichende Studie aller Völker hervortrat; dass die Ethnologie 1771-1775 von A.L. Schlözer in Göttingen als eine allgemeine Völkerkunde eingeführt und 1781-1783 von A.F. Kollár in Wien als ethnologia definiert wurde; und dass die Anthropologie als eine "Naturgeschichte des Menschen" durch Linné in den Jahren 1735-1758, durch Buffon von 1749 bis 1777 und durch Blumenbach in den Jahren 1775-1795 herausgebildet wurde. Diese Entwicklungen kann man bis zur Gründung der BGAEU im Jahr 1869 gut nachvollziehen




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