Veranstaltungsort
Wir treffen uns seit dem 25. Juni 2015 im neuen Gebäude des Instituts für Prähistorische Archäologie der FU Berlin (in der Holzlaube), Raum 2.2059, Fabeckstr. 23-25 (14195 Berlin).
Die Treffen finden traditionell i.d. Regel montags statt.


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Unter folgendem Link erhalten Sie eine Übersicht zu den letztjährigen Exkursionen.


Vortragsprogramm für das Jahr 2018

23. April

18 Uhr: Mitgliederversammlung

Tagesordnung:
Rechenschaftsbericht des Vorsitzenden
Kassenbericht für das Jahr 2017
Bericht der Rechnungsprüfer
Aussprache zu den Berichten
Entlastung des Vorstands und des Schatzmeisters
Tätigkeitsbericht der Zeitschrift für Ethnologie (Lars-Christian Koch)
Planung einer Exkursion
Verschiedenes

Anschließend findet ein gemütliches Beisammensein statt.

28. Mai

18 Uhr: Christiane Scheffler, Potsdam
(mit Berry Bogin, Michael Hermanussen)

Warum werden Menschen groß? - Körperhöhe und soziale Stellung

Soziale Identität, wahrgenommene Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe, soziale Stellung und Identitätssignale sind wichtige Faktoren, die soziale Normen prägen. Viele dieser Faktoren können mit Veränderungen des Hormonhaushaltes einhergehen und damit Merkmale wie Körpermasse und Körperhöhe beeinflussen. Dominanz innerhalb einer Gruppe kann ein starker Impuls für Wachstum und strategische Wachstumsanpassungen (strategic growth adjustment) sein (Huchard et al. 2016).
Wir diskutieren historische Daten ab Mitte des 19. Jahrhunderts zur Körperhöhe und eigene aktuelle Untersuchungen an mehr als 1700 Kindern aus Indonesien im sozialen und biologischen Kontext.
In vielen europäischen Ländern ist die durchschnittliche Körperhöhe seit vielen Jahrzehnten annähernd linear gestiegen (1-2 cm/Dekade) und verlangsamte sich selbst in Zeiten von wirtschaftlichen Krisen, Kriegen und Hungersnot nur geringfügig. In Deutschland gab es den größten säkularen Trend in der Körperhöhe in den 1920er Jahren und nach dem Zweiten Weltkrieg. Indonesische Kinder sind heute z.T. deutlich kleiner als die WHO-Referenz, ein Einfluss der Ernährung auf die Körperhöhe ist nicht erkennbar.
Wir gehen davon aus, dass (1) Individuen ihre Körperhöhe in Gruppen als Merkmal der sozialen Identität aufeinander beziehen (community effect); dass (2) Demokratisierung, aber auch politische Unruhen und soziale Mobilität das bessere Wachstum der unteren sozialen Schichten verstärken; und dass (3) diese Zunahme der Körperhöhe als soziale Herausforderungen wahrgenommen wird und die Körperhöhen in der dominanten oberen sozialen Schichte ebenfalls, wenn auch abgeschwächt positiv beeinflussen.
Jüngste zoologische Belege für ein Konkurrenz-Wachstum (competetive growth) bei sozialen Säugetieren lassen Wachstumsanpassungen auch beim Menschen als Ausdruck reorganisierter sozialer Identität während und nach relevanten politischen Ereignissen vermuten. Gesellschaftliche Umbrüche ändern die Wahrnehmung der eigenen zukünftigen sozialen Position und können dadurch das Körperhöhenwachstum im Sinne einer strategischen (sozialen) Wachstumsanpassung beeinflussen. Wir betrachten endgültige Körperhöhe als die "eingefrorene Wahrnehmung" der Vorstellung eines Jugendlichen von seiner zukünftigen Positionen im sozialen Netzwerk (Körperhöhe ist ein Signal). Der endokrine Mechanismus dieser Wachstumsregulation ist noch nicht geklärt. Eine "Kandidatenrolle" spielt das Wachstumshormon-IGF-1, einer der stärksten Modulatoren der Erwachsenenkörperhöhe. Die Daten sprechen für eine enge Verknüpfung von endokrinen System und sozialen Netzwerken (Social Network Analysis).



 

Bereits gehaltene Vorträge

29. Januar

18 Uhr: Bernhard Heeb, Berlin

Corneşti-Iarcuri (RO) - Aktuelle Forschungen an der größten bronzezeitlichen Befestigungsanlage Europas (2007–2017)

Im rumänischen Banat, unweit der ungarischen und serbischen Grenze, liegt die spätbronze-zeitliche Befestigungsanlage Corneşti-Iarcuri. Mit vier Verteidigungswälle und einer Gesamtfläche von ca. 17,7 km² ist sie das größte bekannte bronzezeitliche Bodendenkmal Europas.
Seit 2007 führen das Muzeul Naţional al Banatului Timişoara, das Museum für Vor- und Frühgeschichte zu Berlin und die Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main Forschungen an dieser Siedlung durch. Seit Sommer 2013 wird das Projekt durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördert.
Mit jeder Grabung ergeben sich neue faszinierende Ergebnisse und die wissenschaftlichen Fragen scheinen dadurch eher mehr als weniger zu werden. Doch entsteht nach 11 Jahren Feldforschung nun langsam aber sicher ein konkretes Bild über die befestigte Siedlung, ihre Nutzung und ihren "Lebenszyklus". Der Vortrag möchte die aktuellen Erkenntnisse erörtern und einen faszinierenden Blick in die Geschichte und Erforschung einer spätbronzezeitlichen Mega-Site bieten.

26. Februar

18 Uhr: Paola Ivanov, Lili Reyels, Kristin Weber-Sinn, Berlin

Zu einer „Reaktivierung“ ethnologischer Sammlungen im Kontext von Provenienzforschung

Der Vortrag stellt zwei Projekte des Ethnologischen Museums Berlin vor, die infolge der „Wiederauffindung“ von Kriegsbeute aus dem Maji-Maji-Krieg (und weiteren militärischen Konflikten im heutigen Tansania) in den Museumssammlungen initiiert wurden:
Zum einen wird in einem zweijährigen Projekt die Provenienz ausgewählter Bestände aus der Tansania-Sammlung vertiefend erforscht. Zum anderen hat das „Humboldt Lab Tanzania“ einen interdisziplinären kritischen Dialog zwischen Wissenschaftler*innen, Kulturschaffenden und Museumskurator*innen aus Deutschland und Tansania angestoßen, dessen Ergebnisse Anfang 2017 in Tansania in der Ausstellung „Living inside the story“ präsentiert wurden. Im Fokus des Vortrags steht insbesondere die Notwendigkeit, die langfristige Zusammenarbeit mit Kolleg*innen aus den jeweiligen Herkunftsregionen der Objekte als unabdingbare Voraussetzung für ethnologische Provenienzforschung zu etablieren.

26. März

18 Uhr: Ute Brinker & Harald Lübke, Schleswig
(in Kooperation mit Valdis Berzins, John Meadows, Kenneth Ritchie, Ulrich Schmölcke und Ilga Zagorska)

Auf den Spuren Rudolf Virchows – Neue Forschungen zum steinzeitlichen Muschelhaufenfundplatz Rinnukalns (Rinnehügel) im Norden Lettlands

Der am Ausfluss des Flusses Salaca aus dem Burtnieksee im nordöstlichen Lettlandgelegene Fundplatz Rinnukalns ist forschungsgeschichtlich von besonderer Bedeutung, da er nicht nur einer der ersten im Baltikum entdeckten steinzeitlichen Fundstellen, sondern auch der einzige bekannte binnenländische Muschelhaufenplatz im östlichen Baltikum ist, vergleichbar den bekannten „Kokkenmoddinger“-Fundstellen in Dänemark. Die Entdeckung gelang in den 1870er dem deutsch-baltischen Grafen Carl Georg Sievers, einem der Pioniere der archäologischen Forschung Lettlands. Da Sievers bei der Bewertung dieser Fundstelle aber erheblichen Widerspruch erfahren hatte, lud er 1877 Rudolf Virchow zu einem Besuch der Fundstelle Rinnukalns ein und überließ ihm später alle anthropologischen Funde seiner Ausgrabungen.
Der Fundplatz selbst galt nach weiteren Ausgrabungen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts als vollständig ausgegraben und für weiteren Forschungen als erschöpft, bis 2011 in gemeinsamer Untersuchung des Instituts für Lettische Geschichte der Universität Riga und dem ZBSA, Schleswig, die Erhaltung intakter feinstratifizierter Fundschichten nachgewiesen werden konnte. Naturwissenschaftliche Untersuchungen und Analysen der Stratigraphie lieferten rasch vielversprechende Resultate. Gleichzeitig konnten mit Unterstützung der zuständigen Kustodin B. Teßmann im Magazin der BGAEU die Altfunde relokalisiert werden, die C. Sievers nach Berlin gesandt und R. Virchow für seine anthropologische Sammlung überlassen hatte. Dadurch konnte auch das anthropologische Altmaterial des Fundplatzes gesichtet und durch Radiokarbondatierungen der Nachweis erbracht werden, dass sich darunter auch zwei steinzeitliche Bestattungen befanden. Auf diesen Voruntersuchungen basierend wurde in Jahr 2016 ein Antrag auf Forschungsförderung bei der DFG eingereicht, der zum Ende des Jahres auch bewilligt wurde. Ab 2017 finden nun gemeinsam mit den lettischen Kollegen Valdis Berzins und Ilga Zagorska neue Forschungen an diesem einzigartigen Fundplatz statt. Der Vortrag wird ausführlich auf die Forschungsgeschichte des Fundplatzes, die Ergebnisse der Voruntersuchungen seit 2011 und auf die laufenden Arbeiten im Rahmen des neuen DFG-geförderten Forschungsvorhabens eingehen.




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