Veranstaltungsort
Wir treffen uns seit dem 25. Juni 2015 im neuen Gebäude des Instituts für Prähistorische Archäologie der FU Berlin (in der Holzlaube), Raum 2.2059, Fabeckstr. 23-25 (14195 Berlin).
Die Treffen finden i.d. Regel wieder montags statt.


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Unter folgendem Link erhalten Sie eine Übersicht zu den letztjährigen Exkursionen.


Vortragsprogramm für das Jahr 2017

27. März

Achtung! Diesmal in Raum: 0.2002

18 Uhr: Raimund Masanz, Berlin

700 Kilo römischer Geschichte – Der Fund von Neupotz in Berlin

Unter den Bezeichnungen „Barbarenschatz“ und „Alamannenbeute“ ist ein Konglomerat aus über 1000 zumeist metallenen römischen Objekten in die Forschungsliteratur eingegangen. Der so benannte Massenfund wurde beim Kiesabbau zwischen 1967 und 1997 aus einem Altrheinarm nahe der rheinland-pfälzischen Ortschaft Neupotz geborgen.
Neben Küchen-, Koch- und Tafelgeschirr beinhaltet er vor allem eiserne Werkzeuge und Beschläge römischer Lastwagen. Er ist ein Zeugnis des Alltagslebens im römischen Gallien wie auch der Geschichte des ereignisreichen 3. Jahrhunderts n. Chr. in den römischen Nordwestprovinzen. Seit Ende letzten Jahres ist er in die Dauerausstellung des Neuen Museums einbezogen, wo ein repräsentativer Querschnitt des riesigen Objektbestandes im „Bacchussaal“ ausgestellt wird.
Der Vortrag wird den Fund in seiner Zusammensetzung vorstellen, seine Aussagekraft als archäologische Quelle ergründen und die bislang vorgeschlagenen Interpretationen kritisch beleuchten.

27. Februar

18 Uhr: Angelika Burkhardt, Braunschweig

Die jungen Männer von Borkum – Aus den Ergebnissen der anthropologischen Untersuchung einer Skelettstichprobe vom sog. Walfängerfriedhof der Nordseeinsel Borkum

Eine archäologische Grabung am alten Leuchtturm der Nordseeinsel Borkum, dem ehemaligen Kirchenstandort, förderte auch die Überreste historischer Inselbewohner zu Tage, die bis 1720 dort bestattet worden waren. Laut Inselgeschichte haben die Borkumer vor der Blütezeit, die der Walfang ihnen im 18. Jh. bescherte, hauptsächlich von der Viehwirtschaft gelebt, nebenher aber auch Küstenschifffahrt und Fischerei betrieben. Um 1606 lebten 164 Personen in 45 Familien auf der Insel. Erwartet wurde daher eine gemischte Friedhofsbelegung, welche die kleine bäuerliche Inselpopulation widerspiegelt: Männer und Frauen unterschiedlichen Alters sowie viele Kinder. Die 82 Skelettindividuen, die der anthropologischen Untersuchung zugeführt worden waren, erfüllten diese Erwartungen nicht, denn die Gruppe bestand mehrheitlich aus jungen und jugendlichen Männern. Aktivitätsmarker im Skelett der großen und kräftigen Männer verwiesen nicht nur auf eine überdurchschnittliche körperliche Beanspruchung, sondern mussten annehmen lassen, dass die Männer ihre Körper weit über das physiologisch Normale hinaus strapaziert hatten. Die männlichen Jugendlichen waren darüber hinaus von derselben schweren Erkrankung, die mit Entzündungen im gesamten Skelettsystem sowie in Anthropologie und Medizin bis dato unbekannten Knochenstrukturen einherging, dahingerafft worden. Wer waren diese Männer und was taten und litten sie in ihrem Leben? Die hartnäckige Suche nach den Ursachen des „Borkum Syndroms“, wie der Symptomkomplex vorläufig genannt wurde, zog weite Kreise, führte auf falsche Fährten und in Sackgassen. Aber Kommissar Zufall löste schließlich den Fall.

30. Januar

18 Uhr: Hilke Thode-Arora, München

Für fünfzig Pfennig um die Welt: Völkerschauen zwischen Schaugeschäft, Wissenschaft und Kolonialpolitik

Völkerschauen waren Schaustellungen Menschen fremder Kulturen, die einem staunenden Publikum gegen Eintrittsgeld Darbietungen aus ihrer Herkunftsregion boten – um 1900 eine weitverbreitete Attraktion des europäischen Unterhaltungsgeschäfts. Musikdarbietungen, Tänze und Kampfszenen faszinierten die Besucher ebenso wie ein Blick in das ‚tägliche Leben’ der frei zugänglichen Völkerschau-‚Dörfer‘. Viele Schauen gingen auf Tournee und erreichten ein Millionenpublikum. Zugleich waren Völkerschauen von Interesse für die jungen Wissenschaften der physischen Anthropologie und der Ethnologie mit ihrer noch geringen Datenbasis. Sie boten die bequeme Möglichkeit einer Forschung am Wohnort; für die Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte etwa fanden regelmäßig Sondervorstellungen mit Gelegenheit zu körperlicher Vermessung und Befragung der Anwesenden statt. Aus kolonialpolitischer Sicht sollten die Schauen auf Kolonialausstellungen dem Publikum das Leben in den Kolonien anschaulich machen und den Völkerschauteilnehmern einen Eindruck von der militärischen und technologischen Überlegenheit Europas vermitteln. Allerdings reisten die Völkerschauteilnehmer oft mit ihrer eigenen Agenda, die sie in Europa umzusetzen hofften.



 

Bereits gehaltene Vorträge 2016

25. Januar

18 Uhr: Elke Kaiser, Berlin

Migrationen im 3. Jahrtausend v. Chr. Eine archäologische Auseinandersetzung mit neuen genetischen Daten

Im Jahr 2015 erschienen mehrere Studien in Fachzeitschriften wie Nature, in denen paläogenetische Analyseergebnisse vorgestellt wurden, die für einiges Aufsehen sorgten. Die Resultate zeigen eine deutliche Veränderung des genetischen Pools der beprobten Individuen in Mitteleuropa, die in Gräbern der Kultur mit Schnurkeramik bestattet waren, im Vergleich zu Bestatteten aus vorangegangenen Zeiten. Die neu in dieser Region festzustellenden genetischen Muster weisen nun, so die Autoren der Studien, auf eine bedeutende Zuwanderung aus der osteuropäischen Steppenregion hin. Teilweise werden die Daten sogar mit der lange und kontrovers diskutierten Ausbreitung der indoeuropäischen Grundsprache in Zusammenhang gebracht. Sind damit Wanderungen für das 3. Jahrtausend v. Chr. bewiesen? Der Vortrag setzt sich aus archäologischer Perspektive mit den genetischen Befunden auseinander und fasst dabei die genetischen Daten als Indikator für Wanderungen auf, die archäologisch bislang kaum nachzuvollziehen sind. Während die genetischen Daten - nicht nur wegen ihrer bislang noch recht geringen Zahl - nur schlaglichtartig Hinweise auf Populationsdynamiken liefern können, wird unter Einbeziehung von archäologischen Konzepten zu Migrationen ein räumlich und zeitlich detaillierteres Modell für das 3. Jahrtausend v. Chr. und die Kontakte zwischen Steppenraum und Mitteleuropa diskutiert.

29. Februar

18 Uhr: Larissa Förster, Köln, Dag Henrichsen, Basel, und Holger Stoecker, Berlin

Jacobus Hendrick: Eine Spurensuche in afrikanischer Alltags-, deutscher Kolonial- und Berliner Wissenschaftsgeschichte

4. April

17 Uhr: Mitgliederversammlung

Tagesordnung:
Rechenschaftsbericht des Vorsitzenden
Kassenbericht für das Jahr 2015
Bericht der Rechnungsprüfer
Aussprache zu den Berichten
Entlastung des Vorstands und des Schatzmeisters
Tätigkeitsbericht der Zeitschrift für Ethnologie (Lars-Christian Koch)
Planung einer Exkursion
Verschiedenes

Anschließend findet in einer öffentlichen Sitzung ab 18 Uhr ein Vortrag von Claudia Melisch über neueste archäologische Forschungen in Berlin-Mitte (Petriplatz) statt.

4. April

18 Uhr: Claudia Melisch, Berlin

Was wissen wir über die ersten Berliner?

Ausgehend von den Ausgrabungen am Petriplatz, wo zwischen 2007 und 2009 sowie in einer nachgeordneten Maßnahme im Jahr 2015 3.200 Gräber mit den Überresten von annähernd 4.000 Menschen gefunden wurden, hat sich in Zusammenarbeit mit dem Landesdenkmalamt und dem Lehrstuhl für mittelalterliche Geschichte und Landesgeschichte ein internationales Projekt zur Rekonstruktion der ältesten Berliner Ursprungsbevölkerung entwickelt. In diesem multidisziplinären Forschungsprojekt sollen der Zeitpunkt der Ankunft der ersten Siedler sowie der Grad ihrer genetischen Verwandtschaft festgestellt werden. Weitere Untersuchungsaspekte sind die statistische Rekonstruktion der mittelalterlichen Bevölkerungsentwicklung und die Identifikation der naturräumlichen Herkunft der ersten Siedler. Die ältesten Bestattungen am Petriplatz sind in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts vorgenommen worden. Der Kirchhof der St. Petri-Kirche wurde 1717 endgültig geschlossen, war aber schon um 1600 vollständig belegt, so dass sich die Gemeindevorsteher um alternative Bestattungsflächen bemühten.
Claudia Melisch als archäologische Leiterin des Forschungsprojektes stellt den gegenwärtigen Stand der Arbeiten und erste Erkenntnisse dar und erläutert den Fortgang der Forschungen und die damit verbundenen Herausforderungen.

21. März

18 Uhr: Dorothea Deterts, Berlin

Geben und nehmen - Gabentausch in Neukaledonien

Gabentausch steht im Zentrum der kulturellen Identität der Kanak in Neukaledonien. Das wird besonders deutlich in dem französischen Ausdruck der Kanak „faire la coutume“ („den Brauch machen“) für den Gabentausch. Indem sie Gaben geben, zeigen die Teilnehmer am Gabentausch für alle sichtbar ihre sozialen Beziehungen und formen so ihre Identität.
Gabentausch der Kanak ist ein fortwährendes Geben von zumeist gleichen Objekten, das stets von Reden begleitet wird. Es findet sowohl in alltäglichen Situationen als auch in Zeremonien statt, wie zu Geburtsfeiern, Hochzeiten und Todesfällen. Diese wichtigen Lebenszykluszeremonien sind nicht allein durch den Tausch geprägt, sondern auch durch die Zeit vor und nach dem Tausch, in der Menschen zusammenkommen, um Objekte und Nahrungsmittel anzuhäufen und zu verteilen.

25. April

18 Uhr: Anton Kern, Wien

Hallstatt. Neues von einem alten Fundplatz

Der Raum um Hallstatt, im Süden des Hallstätter Sees, ist eine der ältesten Kulturlandschaften Österreichs. Schon als frühe Bauern die weitaus fruchtbareren Gebiete im Osten Österreichs besiedelten, fanden Siedler Salz im versteckten Hochtal am Fuße des Plassen. 1846 begann der Bergmeister Johann Georg Ramsauer mit der Freilegung mehrere Gräber, die er erst im Jahre 1863 nach nahezu 1000 aufgedeckten Grabstätten beendete. Die jüngsten Ausgrabungen des Naturhistorischen Museums Wien, Prähistorische Abteilung, begannen 1993 und werden laufend fortgesetzt. In den letzten zehn Jahren kamen dabei über 100 Gräber zu Tage, ein Ende scheint vorläufig nicht abzusehen. Der Vortrag gibt Einblick in die Forschungsgeschichte, in die neuen Grabungen und einen Überblick zu den Funden des prähistorischen Bergwerks. verteilen.

06. Juni

18 Uhr: Maria Teschler-Nicola, Wien

..."dass die Seele nach dem Tod nicht untergehe"- Anthropologische Indizien keltischer Opferkultpraxis am Beispiel der latènezeitlichen Zentralsiedlung von Roseldorf (Niederösterreich)

Die keltische Zentralsiedlung von Roseldorf in Niederösterreich zählt aufgrund ihrer räumlichen Ausdehnung (40 ha), der Menge an Metallfunden und der anderen seltenen historischen Objekte sowie der als Heiligtümer identifizierten Anlagen mit tausenden von fragmentierten tierischen und menschlichen Skelettresten zu den spektakulärsten Fundplätzen der frühen Mittellatènezeit in Mitteleuropa. Solche Heiligtümer waren bislang lediglich aus westeuropäischen Fundstellen bekannt, im östlichen Mitteleuropa gelten sie als Novum. Die Interpretation dieser Roseldorfer Opida, ihre Konstruktion und Funktion steht im Brennpunkt eines interdisziplinär angelegten (bioarchäologischen) Forschungsprojektes, das auch auf die aus den Grabenanlagen der Heiligtümer geborgenen menschlichen Relikte als wichtige Informationsquelle fokussiert. An diesen knöchernen Fragmenten finden sich u. a. perimortale Frakturen und postmortale Manipulationsspuren unterschiedlicher Genese, die höchstwahrscheinlich mit Opfer- und/oder Trophäenkult, möglicherweise auch mit einer spezifischen Totenbehandlung und/oder Bestattungspraxis in Verbindung zu bringen sind. Auch wenn die der Deponierung/Sekundärdeponierung vorausgehenden Rituale weitestgehend im Verborgenen bleiben, scheint sich die Einbeziehung von menschlichen Körperteilen in den Trophäenbrauch zu bestätigen (z.B. finden sich im Objekt 1, dem Großen Heiligtum, lediglich Teile der unteren Extremität). Auf die schriftlichen, historischen Überlieferungen gestützt, könnten die menschlichen Relikte auch als Teil der geopferten Kriegsbeute verstanden werden, welche einem dem Waffenopfer vergleichbaren Ritual ausgesetzt waren.

18. Juli

18 Uhr: Johannes Krause, Jena

Die Urgeschichte Europas rekonstruiert aus eiszeitlichen Genomen

Bislang ist nur sehr wenig über die Geschichte der Genetik der alten Europäer vor dem Beginn des Neolithikums – also vor rund 8500 Jahre – bekannt. Um die 40.000 Jahre alte Vorgeschichte Eurasiens näher zu beleuchten, wurden von 51 modernen Menschen die Genome analysiert. In dieser Zeit sank der Anteil der Neandertaler-DNA von 3 bis 6% auf etwa 2% in den heute lebenden Menschen. Diese DNA-Verringerung steht im Einklang mit der natürlichen Selektion von Neandertaler-Varianten im Vergleich zum heutigen Menschen. Während die ersten modernen Menschen unseres Kontinents nicht wesentlich an der Bildung der heutigen Europäer beteiligt gewesen sind, stammen alle Individuen in der Zeit zwischen 37.000 und 14.000 Jahren von einer Gründerpopulation ab, die als ein Teil der Vorfahren der heutigen Europäer gelten können. Ein etwa 35.000 Jahre altes Individuum aus Nordwesteuropa repräsentiert einen frühen Zweig dieser Gründerpopulation, die sich dann über Gesamteuropa ausbreitete und etwa vor 19.000 Jahre, im Zuge der letzten Eiszeit, Südosteuropa erreichte. Während der Warmzeit vor etwa 14.000 Jahren erscheint eine neue genetische Komponente aus dem Nahen Osten in Europa. Diese hier präsentierten Ergebnisse zeigen, wie die Bevölkerung durch Migration und Wanderbewegung die Vorgeschichte Europas schreibt.

In Anschluss wird auf der Dachterrasse unser kleines Sommerfest stattfinden. Für das leibliche Wohl ist gesorgt!

31. Oktober

18 Uhr: Anton Gass, Berlin

Die Skythen im Nordkaukasus – Aktuelle Forschungsergebnisse

Die Steppenregion des nordwestlichen und nördlichen, zentralen Vorkaukasus, die in den heutigen Gebieten Krasnodar (auch als Kuban bekannt) und Stawropol (beide Russland) liegt, umfasst Tausende von Grabhügeln der älteren Eisenzeit (8.-3. Jh. v. Chr.), die von Trägern des skythischen Kulturkreises errichtet wurden. Mehrere solcher Grabhügel, die man auch als Kurgane bezeichnet, können dank ihrer Ausmaße als Großkurgane der reiternomadischen Elite bezeichnet werden. Einige Großkurgane früheisenzeitlicher Reiternomaden wurden in der Westhälfte des Nordkaukasus bislang archäologisch untersucht und lieferten hochkomplexe Konstruktionen und prachtvolle Beigaben. Die Objekte stellen sowohl eigene Produktion als auch altgriechische und vorderasiatische Importe dar. Weniger erforscht ist die Osthälfte dieser Region, die bislang quasi fast unbekannt blieb.
Nach neuer Definition eines eisenzeitlichen Kurgans bzw. Großkurgans gehören zum Kurgan nicht nur Bestattungen, Horte, Opferkomplexe und darüber errichtete Anlagen, sondern auch das Territorium um den Großkurgan – die so genannte Kurganperipherie. Ein entscheidender Beitrag zur Erforschung dieser Peripherie leistet dabei die geophysikalische Prospektion. Mit dem Einsatz des Magnetometers wurden seit 2012 im Nordkaukasus 12 Gräberfelder prospektiert. Der Vortrag befasst sich mit den Ergebnissen gemeinsamen archäologisch-geophysikalischen Untersuchungen, die bei einer Rekonstruktion der historisch-kulturellen Kontakten zwischen dem Steppenraum des Nordkaukasus, Mittelasien, den westlich gelegenen Steppenregionen, dem Vorderen Orient und den griechischen Kolonien im nordpontischen Raum behilflich seien können.

28. November

18 Uhr: Alexander Pashos, Halle (Saale)

Großmütter, Großväter und Stiefgroßeltern aus evolutionärer Sicht. Wer kümmert sich wie und warum um Enkel?

Großelternschaft – ist sie ein rein soziales Konstrukt oder bereits in der Biologie des Menschen verankert? Vieles spricht dafür, dass Großeltern eine Rolle in der Evolution zum Menschen gespielt haben. Anhand von Forschung zur regelhaft unterschiedlichen Fürsorge von Großeltern möchte ich der Frage nachgehen, ob und wie sich großelterliche Investitionen in Enkel aus evolutionärer Sicht erklären lassen.
Großelterliche Fürsorge folgt in der Regel einem matrilinearen Verhaltensmuster: Großmütter mütterlicherseits kümmern sich im Durchschnitt am meisten um Enkel und Großväter väterlicherseits am wenigsten. Eine beliebte evolutionäre Erklärung ist Vaterschaftsunsicherheit in der männlichen Abstammungslinie. In der Soziologie ist weibliches "Kin-keeping" eine beliebte Deutung. Insbesondere im Kulturvergleich (bei patriarchalisch geprägten ländlichen Kulturen in Griechenland, China, Baschkirien, Kirgisien usw.) zeigen sich jedoch Schwächen dieser Interpretationen aufgrund der Abweichungen vom universalen Fürsorgemuster (paternalen Großeltern kommt eine größere Bedeutung zu). Aber auch bei Stiefgroßeltern, die ja nicht-blutsverwandt sind, ließen sich asymmetrische Fürsorgemuster aufzeigen, die sich jedoch von denen der biologischen Großeltern unterscheiden. Hier kümmern sich vor allem bestimmte Stiefgroßväter (neue Ehemänner der Großmütter) um Stiefenkel.
Die Motive der Großeltern für Ihre uneigennützige Enkelfürsorge bleiben häufig unklar. In meinem Vortrag möchte ich zeigen, wie sich präferentielles großelterliches Verhalten Enkeln gegenüber alternativ aus evolutionärer Sicht erklären lässt.

19. Dezember

18 Uhr: Jonathan Fine, Berlin

Authentizität und Kunsthandel: Phantasie, Primitivismus und der Markt für Bamum-Kunst (Kamerun, Afrika) in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts

In den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts änderten sich die Vorstellungen von Europäern zu Kunst- und Kulturgegenständen aus Afrika. Mit dem wachsenden Zugang von Objekten aus aktuellen und ehemaligen Kolonien europäischer Staaten fingen Europäer an, die Kategorie des „authentischen Objekts“ auszubauen. Diese Kategorie wurde stark von den Phantasien über Afrika – nicht von der eigentlichen Realität – beeinflusst. Als Folge dessen haben afrikanische Akteure ihre Praxis geändert und angepasst, um die wachsenden Auslandsmärkte zu bedienen. Anhand des Beispiels des Kunstmarkts im Königreich Bamum untersucht dieser Vortrag diese Entwicklungen.




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